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Essstörungen - Magersucht, Bulimie & Co

Essstörungen haben viele Gesichter. Aber eines ist allen gemein: Das Essen verliert seine Normalität. Es drängt sich in den Vordergrund und bestimmt das Leben der Betroffenen. Das gilt für ihren Tagesablauf, ihre Gefühle, ihre Bezie­hungen zu anderen, ihre beruflichen und privaten Entscheidungen. Sie sind auf das Essen bzw. das Nicht-Essen fixiert.

Ess-Störungen können entweder zu einem massiven Unter- oder Übergewicht führen. Um das Körpergewicht bewerten zu können, wird der Body Mass Index berechnet: Gewicht in Kilogramm (kg) / Körpergröße (m)². Die folgende Tabelle veranschaulicht den Body Mass Index bei Ess-Störungen:

Bewertungen für krankhaftes Unter- oder Übergewicht
 Klassifikation  Body Mass Index (kg / m²)
 Magersucht  < 17,5
 Untergewicht  < 18
 Normalgewicht  18,5 - 24,9
 Übergewicht  > 25
 Präadipositas (Vorstufe Fettsucht)                     25,5 - 29,9
 Adipositas (Fettsucht) Grad I  30,0 - 34,9
 Adipositas (Fettsucht) Grad II  35,0 - 39,9
 Adipositas (Fettsucht) Grad III  > 40,0

Ess-Störungen treten vor allem bei jungen Frauen in modernen Industriegesellschaften auf. Neben biologischen Faktoren sind hauptsächlich psychische Ursachen Gründe für eine Ess-Störung. Dazu gehören beispielsweise kulturell bestimmte Idealvorstellungen über das Erscheinungsbild des weiblichen Körpers. Diese werden heutzutage durch Mode, Werbung und Medien noch weiter geschürt. Demnach sind Frauen, die dem gängigen Schlankheitsideal entsprechen, besonders attraktiv, erfolgreich, unabhängig, leistungsfähig, sportlich und vieles mehr.

Es gibt verschiedene Formen der Essstörungen. Zu den klassischen Formen zählen:

  • Magersucht (Anorexia nervosa): Es wird zu wenig Nahrung aufgenommen. Dies führt zu einer extremen Abmagerung und kann äußerst lebensbedrohlich sein.
     
  • Bulimie (Bulimia nervosa): Es kommt zu einem Ess-Anfall mit der Aufnahme großer Kalorienmengen. Danach wird das Erbrechen der Nahrung herbeigeführt.
     
  • Binge Eating Störung: Die gesteigerte Kalorienzufuhr durch Ess-Attacken führt in der Regel zu einer ausgeprägten Fettsucht (Adipositas).

Patienten mit Magersucht oder Bulimie leiden an einer Störung der Körperwahrnehmung. Sie lehnen zunächst Hilfemaßnahmen oder Therapieangebote ab, empfinden diese sogar eher als Bedrohung. Ziel einer Therapie ist es, neue Verhaltensweisen zu erlernen, noch wichtiger aber, tiefer liegende seelische Ursachen zu beheben. Die Behandlung erfordert von allen Beteiligten viel Geduld.

Therapiephasen:

  • Abwendung akuter Lebensgefahr
  • Gewichtsnormalisierung
  • Aufbau einer ausreichenden Behandlungsmotivation
  • Erlernen eines situationsangepassten Essverhaltens
  • Erlernen der Zusammenhänge von Figur, Gewicht, Ernährung
  • Aufbau von Verhaltensfertigkeiten
  • spezifische Behandlung affektiver Störungen (Depressionen), posttraumatischer Störungen und Persönlichkeitsstörungen
  • Verhinderung einer Chronifizierung der Erkrankung

Früherkennung und Frühintervention werden häufig dadurch erschwert, dass die Ess-Störungen meist aus Scham verschwiegen werden. Beim Hausarztbesuch wird das eigentliche, zentrale Thema nicht angesprochen, sondern die Symptome werden durch die Nennung anderer Beschwerden, wie zum Beispiel geringe Monatsblutung oder Magen-Darm-Beschwerden heruntergespielt.


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Privatpraxis Dr. med. Adrian Stoenescu